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Amazon FBA oder Dropshipping: Was ist 2026 für Einsteiger besser?

Wer bei Amazon anfangen will, stößt sofort auf zwei Lager. Die eine Seite sagt: kauf Ware ein, schick sie ins Amazon-Lager, verkauf über FBA. Die andere sagt: kauf nichts, lass den Lieferanten direkt an den Kunden schicken. Beide Wege sind möglich, aber sie sind nicht gleich riskant und nicht gleich erlaubt. Hier steht, was sie unterscheidet, was Amazon selbst dazu vorschreibt und welche Pflichten in Deutschland in beiden Fällen auf dich zukommen.

Was die beiden Modelle wirklich unterscheidet

Bei Amazon FBA kaufst du Ware auf eigenes Risiko ein, schickst sie an ein Logistikzentrum von Amazon und Amazon übernimmt Lagerung, Versand und einen großen Teil des Kundenservice. Du bezahlst die Ware, bevor der erste Kunde bestellt hat. Dafür läuft der Verkauf danach ohne dein Zutun, mit Prime-Versand und kurzen Lieferzeiten.

Beim Dropshipping bestellst du erst, wenn ein Kunde bei dir gekauft hat. Du gibst die Bestellung an einen Lieferanten weiter, der direkt an die Adresse des Kunden versendet. Du bindest kein Kapital in Lagerware, aber du hast auch keine Kontrolle über Verpackung, Versandzeit und Qualität. Genau das ist bei Amazon das Problem, denn die Kundenerwartung richtet sich nach Prime und nicht nach einem Lieferanten, der irgendwo anders sitzt.

Der dritte Weg wird oft vergessen: FBM, also Versand durch den Händler. Du kaufst Ware ein, lagerst sie selbst und verschickst selbst. Viele Einsteiger starten so mit einer kleinen ersten Bestellung und wechseln später zu FBA, wenn das Produkt sich verkauft.

  • FBA: Kapital zuerst, Arbeit danach gering, Versand über Amazon
  • Dropshipping: kein Wareneinsatz, aber wenig Kontrolle und enge Marge
  • FBM: Kapital zuerst, Versand in eigener Hand, gut für kleine Testmengen

Was Amazon zu Dropshipping sagt

Dropshipping ist bei Amazon nicht pauschal verboten, aber an klare Bedingungen gebunden. Du musst der eingetragene Verkäufer sein, du musst auf allen Rechnungen, Lieferscheinen und Verpackungen als Verkäufer auftreten und du musst Rücksendungen selbst abwickeln. Was nicht geht: bei einem anderen Händler oder Marktplatz bestellen und dessen Paket mit dessen Rechnung an den Kunden schicken lassen. Landet ein Lieferschein von einem anderen Shop beim Käufer, kann das dein Konto kosten.

Damit fällt das Modell weg, das in Videos am häufigsten gezeigt wird, nämlich das Weiterverkaufen aus einem fremden Onlineshop. Übrig bleibt Dropshipping mit einem echten Lieferanten oder Großhändler, der neutral in deinem Namen versendet. Solche Partner zu finden ist Arbeit, und viele arbeiten nicht mit Einsteigern ohne Umsatzhistorie.

Dazu kommt die Leistungsmessung. Amazon bewertet dich nach verspäteten Lieferungen, Stornoquote und Rückmeldungen der Kunden. Wenn dein Lieferant drei Tage länger braucht als geplant, trägt dein Konto die Folgen, nicht sein Konto.

Geld: Was der Start jeweils kostet

Bei FBA brauchst du Budget für die erste Warenlieferung, für den Transport zum Amazon-Lager und, wenn du außerhalb der EU einkaufst, für Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Die Einfuhrumsatzsteuer bekommst du als vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen später zurück, aber vorlegen musst du sie trotzdem. Rechne außerdem mit Werbekosten in den ersten Wochen, weil ein neues Angebot ohne Bewertungen kaum von allein gefunden wird.

Beim Dropshipping fällt der Wareneinkauf im Voraus weg. Dafür ist die Marge pro Verkauf meist dünn, weil der Lieferant einzeln kommissioniert und einzeln versendet. Von deinem Verkaufspreis gehen Amazon-Verkaufsprovision, Versandkosten des Lieferanten und Rücksendungen ab. Wenn am Ende ein paar Cent bleiben, reicht eine Rückgabewelle, um den Monat ins Minus zu drehen.

Fixkosten hat man in beiden Fällen. Ein professioneller Verkäuferaccount bei amazon.de kostet 39 € netto im Monat, unabhängig davon, wie du versendest. Wer zuerst nur einzelne Artikel testen will, kann mit dem Einzelanbieter-Tarif starten und pro Verkauf zahlen.

Bevor du dich entscheidest, rechne ein konkretes Produkt durch. Verkaufspreis, Einkaufspreis, Provision, FBA-Gebühr, Transport, Rückläufer. Genau dafür ist unser Rechner gedacht.

Deine Pflichten in Deutschland sind in beiden Fällen dieselben

Egal ob FBA oder Dropshipping: Du verkaufst gewerblich und brauchst eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt. Danach meldet sich das Finanzamt, du füllst den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus und bekommst deine Steuernummer.

Bei der Umsatzsteuer entscheidest du, ob du die Kleinunternehmerregelung nutzt. Ohne Kleinunternehmerregelung weist du Umsatzsteuer aus, führst sie ab und kannst dafür Vorsteuer ziehen, auch die Einfuhrumsatzsteuer aus dem Import. Mit Kleinunternehmerregelung sparst du dir die Voranmeldungen, verlierst aber den Vorsteuerabzug. Wer viel Ware aus Asien importiert, fährt mit der Regelbesteuerung oft besser. Das ist ein Gespräch für die Steuerberatung, nicht für ein Bauchgefühl.

Wenn dein Produkt in einer Verpackung beim Endkunden ankommt, brauchst du eine LUCID-Registrierung nach dem Verpackungsgesetz und einen Vertrag mit einem dualen System. Amazon prüft die LUCID-Nummer und sperrt Angebote ohne Nachweis. Auch beim Dropshipping gilt das, sobald du als Verkäufer die Verpackung in Verkehr bringst.

Kommt die Ware von außerhalb der EU, brauchst du eine EORI-Nummer für die Zollabwicklung, und du solltest vorher wissen, welcher Zolltarif für dein Produkt gilt. Produktsicherheit, CE-Kennzeichnung und Kennzeichnungspflichten liegen ebenfalls bei dir, nicht beim Hersteller in China.

Für wen sich was eignet

Dropshipping klingt attraktiv, weil man kein Geld für Ware braucht. Bei Amazon ist es aber der schwierigere Weg, nicht der leichtere: strengere Regeln, dünne Margen, fremde Lieferzeiten und ein Konto, das an der Leistung eines Dritten hängt. Als Lernumgebung taugt es, wenn du einen echten Großhändler an der Hand hast, der neutral versendet.

FBA passt besser zur Logik des Marktplatzes. Prime-Versand, Buy Box, kurze Lieferzeiten, wenig operativer Aufwand pro Bestellung. Der Preis dafür ist Kapital im Voraus und das Risiko, auf Ware sitzen zu bleiben, die keiner will. Dieses Risiko senkst du nicht mit Mut, sondern mit Recherche: reale Nachfrage, überschaubarer Wettbewerb, Preis, der nach allen Gebühren noch eine Marge lässt.

Ein pragmatischer Einstieg sieht so aus: ein Produkt auswählen, das du verstehst und das nicht in eine regulierte Kategorie fällt, eine kleine erste Menge bestellen, zuerst selbst versenden und erst bei stabilen Verkäufen ins Amazon-Lager wechseln. So bezahlst du Lehrgeld in kleinen Beträgen.

Wie du die Entscheidung konkret machst

Die Frage FBA oder Dropshipping entscheidet sich am Produkt, nicht am Modell. Ein leichter, kompakter Artikel mit gutem Aufschlag funktioniert bei FBA gut, weil die Versandgebühr niedrig bleibt. Ein schwerer, sperriger Artikel frisst die Marge auf, bevor du etwas verdient hast.

Nimm dir also drei bis fünf Produktideen und rechne jede einzeln durch. Wenn nach Provision, Versand, Transport, Zoll und Werbung nichts Nennenswertes übrig bleibt, brauchst du keine Diskussion über das Versandmodell mehr zu führen. Bleibt etwas übrig, hast du eine Grundlage für die nächste Frage: Kann ich die Ware vorfinanzieren, oder muss ich mit Bestellung auf Zuruf arbeiten?

  • Marge nach allen Gebühren prüfen, nicht nur den Verkaufspreis anschauen
  • Gewicht und Maße früh klären, sie bestimmen die FBA-Gebühr
  • Lieferzeit realistisch ansetzen, auch bei Zollabwicklung
  • Pflichten vorher erledigen: Gewerbe, Finanzamt, LUCID

Häufige Fragen

Ist Dropshipping bei Amazon erlaubt?
Ja, aber nur unter Bedingungen. Du musst als Verkäufer auf Rechnungen, Lieferscheinen und Verpackungen erscheinen und Rücksendungen selbst bearbeiten. Bestellungen bei einem anderen Händler aufzugeben, der mit seinen eigenen Unterlagen direkt an deinen Kunden liefert, ist nicht zulässig und kann zur Kontosperrung führen.
Wie viel Startkapital brauche ich für FBA?
Das hängt vollständig vom Produkt ab: Einkaufspreis pro Stück, Mindestabnahmemenge, Transport, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer sowie ein Puffer für Werbung. Feste Zahlen wären geraten. Rechne dein Wunschprodukt mit echten Angeboten von Lieferanten durch, dann hast du eine belastbare Summe.
Kann ich mit der Kleinunternehmerregelung starten?
Ja, wenn du die Umsatzgrenzen einhältst. Bedenke aber: Ohne Umsatzsteuerausweis kannst du keine Vorsteuer ziehen, also auch nicht die Einfuhrumsatzsteuer aus Importen. Bei nennenswerten Wareneinkäufen ist die Regelbesteuerung oft günstiger. Kläre das vor der Gewerbeanmeldung mit einer Steuerberatung.
Brauche ich LUCID auch beim Dropshipping?
Sobald du als Verkäufer verpackte Ware an Endkunden in Deutschland bringst, brauchst du die Registrierung im LUCID-Verpackungsregister und einen Vertrag mit einem dualen System. Amazon fragt den Nachweis ab und kann Angebote ohne gültige Registrierung deaktivieren.