Zoll und Einfuhrumsatzsteuer beim Import aus China: Was du 2026 für Amazon FBA einplanen musst
Der Preis, den dir ein Lieferant aus China nennt, ist nie der Preis, zu dem die Ware im FBA-Lager ankommt. Dazwischen liegen Fracht, Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und eine Reihe kleinerer Posten, die viele Einsteiger erst auf der Rechnung des Spediteurs sehen. Dieser Artikel zeigt dir, welche Abgaben anfallen, wie sie berechnet werden und an welchen Stellen Anfänger regelmäßig Geld liegen lassen.
Was zwischen Fabrik und FBA-Lager wirklich anfällt
Wer zum ersten Mal importiert, rechnet meist mit zwei Zahlen: Stückpreis und Frachtkosten. Tatsächlich setzt sich der Einstandspreis aus deutlich mehr Positionen zusammen. Jede einzelne davon kannst du vor der Bestellung abfragen, keine davon musst du raten.
Die wichtigsten Posten im Überblick:
- Warenwert laut Handelsrechnung, meist in US-Dollar
- Fracht bis zum Hafen oder Flughafen, Versicherung
- Zoll, abhängig von der Warennummer
- Einfuhrumsatzsteuer auf die gesamte Bemessungsgrundlage
- gegebenenfalls Antidumpingzoll auf bestimmte Warengruppen aus China
- Gebühr der Zollagentur oder des Spediteurs für die Zollanmeldung
- Terminal- und Hafengebühren, Dokumentenpauschalen, eventuell Lagergeld
- Nachlauf: Transport vom Hafen zu dir oder direkt ins Amazon-Lager, oft inklusive Umpalettierung und Etikettierung
Zollwert und Warennummer: die Grundlage der Rechnung
Der Zoll wird nicht auf den Verkaufspreis bei Amazon berechnet, sondern auf den Zollwert. Der besteht aus dem Preis, den du deinem Lieferanten zahlst, zuzüglich Fracht und Versicherung bis zur EU-Außengrenze. Kommt die Ware per Seefracht nach Hamburg oder Rotterdam, gehören die Kosten bis dorthin dazu.
Wie hoch der Zollsatz ist, entscheidet die Warennummer, also die Einreihung deines Produkts in den Zolltarif. Sie ist bei der Einfuhr elfstellig. Nachschlagen kannst du sie im Elektronischen Zolltarif des deutschen Zolls oder in der EU-Datenbank TARIC. Die Sätze reichen von null bis zu zweistelligen Prozentwerten, je nach Warengruppe. Textilien und Schuhe liegen deutlich höher als viele Elektronikartikel.
Verlass dich dabei nicht auf die Angabe deines Lieferanten. Chinesische Verkäufer nennen häufig die Nummer, die für den Export aus China gilt, oder schlicht eine, die ihnen bekannt vorkommt. Verantwortlich für die richtige Einreihung bist du als Anmelder. Wenn du dauerhaft dasselbe Produkt importierst und dir unsicher bist, kannst du beim Zoll eine verbindliche Zolltarifauskunft beantragen. Die bindet die Zollverwaltung und schützt dich vor Nachforderungen.
Ein Punkt, den Einsteiger gern übersehen: Für einige Produktgruppen aus China gelten Antidumpingzölle, etwa bei bestimmten Schrauben, Keramikgeschirr, Fahrrädern und Fahrradteilen oder Solarprodukten. Diese Zusatzzölle können ein Kalkulationsmodell komplett kippen. Prüf das, bevor du eine Musterbestellung aufgibst, nicht danach.
Einfuhrumsatzsteuer: 19 %, aber nicht auf den Warenwert
Die Einfuhrumsatzsteuer beträgt in Deutschland 19 %, bei ermäßigt besteuerten Waren wie Büchern 7 %. Sie fällt bei jeder gewerblichen Einfuhr an, unabhängig vom Wert der Sendung. Die früher bekannte Freigrenze von 22 € gibt es seit Juli 2021 nicht mehr.
Wichtig ist die Bemessungsgrundlage. Die Einfuhrumsatzsteuer wird nicht nur auf den Warenwert erhoben, sondern auf den Zollwert plus Zoll plus Beförderungskosten bis zum ersten Bestimmungsort im Inland. Du zahlst also Steuer auf den Zoll und auf einen Teil der Fracht. Bei zollfreien Waren fällt die Einfuhrumsatzsteuer trotzdem an.
Von der Zollfreiheit für Sendungen bis 150 € solltest du dich als FBA-Verkäufer nicht leiten lassen. Sie betrifft nur den Zoll, nicht die Einfuhrumsatzsteuer, und sie gilt pro Sendung. Wer eine Palette Ware importiert, liegt ohnehin darüber. Sendungen künstlich aufzuteilen, um unter der Grenze zu bleiben, wertet der Zoll als Umgehung.
Für die Liquidität entscheidend: Die Einfuhrumsatzsteuer ist für regelbesteuerte Unternehmer Vorsteuer. Du bekommst sie über die Umsatzsteuervoranmeldung zurück, musst sie aber erst einmal vorstrecken. Zwischen Zahlung bei der Einfuhr und Erstattung durch das Finanzamt können mehrere Wochen liegen. Wer regelmäßig importiert, kann beim Hauptzollamt ein Aufschubkonto beantragen und die Abgaben gesammelt später zahlen.
Für Kleinunternehmer nach § 19 UStG gilt das Gegenteil: Kein Vorsteuerabzug, die Einfuhrumsatzsteuer bleibt echte Kosten. Bei 19 % auf die gesamte Bemessungsgrundlage verschiebt das die Marge spürbar. Wer aus China importiert und in nennenswertem Umfang einkauft, sollte deshalb rechnen, ob die Kleinunternehmerregelung überhaupt sinnvoll ist.
EORI-Nummer und Ablauf der Verzollung
Ohne EORI-Nummer kannst du keine Ware einführen. Sie identifiziert dich gegenüber dem Zoll und ist bei der Generalzolldirektion kostenlos zu beantragen, online über das Zoll-Portal. Beantrag sie, sobald die erste Bestellung feststeht, nicht wenn der Container schon im Hafen liegt, denn die Bearbeitung dauert einige Tage.
Die eigentliche Zollanmeldung läuft elektronisch über das System ATLAS. In der Praxis übernimmt das dein Spediteur oder eine Zollagentur in deinem Auftrag. Du lieferst die Unterlagen: Handelsrechnung, Packliste, Frachtdokument, deine EORI-Nummer, die Warennummer und je nach Produkt weitere Nachweise wie Konformitätserklärungen.
Ein Fehler, der immer wieder passiert: Die Ware wird direkt an ein Amazon-Logistikzentrum adressiert und Amazon als Empfänger in der Zollanmeldung eingetragen. Amazon tritt nicht als Importeur auf und nimmt keine unverzollten Sendungen an. Die Einfuhr muss auf deinen Namen und deine EORI-Nummer laufen. Erst nach der Zollabfertigung geht die Ware weiter ins FBA-Lager, in der Regel über einen Dienstleister, der Kartons kennzeichnet und die Lieferung nach Amazon-Vorgaben anmeldet.
Heb den Einfuhrabgabenbescheid auf. Er ist dein Beleg für den Vorsteuerabzug. Ohne dieses Dokument akzeptiert das Finanzamt die gezahlte Einfuhrumsatzsteuer nicht.
Incoterms: warum DDP oft teurer ist, als es aussieht
Die Lieferbedingung legt fest, wer welche Kosten und Risiken trägt. Üblich sind drei Varianten. Bei EXW holst du die Ware ab Werk ab und organisierst alles selbst, inklusive Exportabwicklung in China. Für Einsteiger ist das viel Aufwand. Bei FOB übernimmt der Lieferant die Kosten bis zum Verladen im chinesischen Hafen, ab da du. Das ist der Standard, mit dem die meisten arbeiten, und die Kalkulation bleibt transparent.
DDP wirkt bequem: Der Lieferant liefert verzollt bis zu deiner Adresse, ein Preis, keine Überraschungen. Der Haken liegt in der Abwicklung. Häufig läuft die Einfuhr dann nicht über deine EORI-Nummer, sondern über die eines Dritten. Du erhältst keinen Einfuhrabgabenbescheid auf deinen Namen und kannst die Einfuhrumsatzsteuer nicht als Vorsteuer geltend machen. Damit verlierst du 19 %, die du sonst zurückbekommen hättest.
Dazu kommt ein Haftungsrisiko. Manche Anbieter drücken die DDP-Preise, indem sie den Warenwert in der Handelsrechnung zu niedrig ansetzen oder eine günstigere Warennummer verwenden. Fällt das bei einer Prüfung auf, steht als Importeur derjenige in der Verantwortung, für dessen Rechnung die Ware eingeführt wurde. Wenn du DDP nutzt, lass dir vorher schriftlich bestätigen, auf welche EORI-Nummer die Einfuhr angemeldet wird und dass du die Zolldokumente bekommst.
Vor dem Kauf rechnen, nicht danach
Bevor du eine Bestellung freigibst, solltest du den Einstandspreis pro Stück kennen, also alles von der Fabrik bis ins FBA-Lager, geteilt durch die Stückzahl. Erst dann kommen Amazon-Gebühren, Versandkosten im FBA-Netz, Rücksendungen und Werbekosten dazu. Was übrig bleibt, ist deine Marge.
Rechne mit zwei Puffern. Erstens der Wechselkurs: Rechnungen aus China lauten meist auf US-Dollar, zwischen Anzahlung und Restzahlung liegen oft Wochen. Zweitens die Seefracht, deren Raten stark schwanken und bei Störungen auf den Hauptrouten kurzfristig anziehen können.
Ein praktischer Test: Rechne die Kalkulation einmal mit dem realistischen Zollsatz und einmal mit einem deutlich höheren durch. Wenn das Produkt nur bei null Zoll funktioniert, ist die Marge zu dünn für den Import. Und plane die weiteren Pflichten mit ein, die mit dem Import verbunden sind, etwa die LUCID-Registrierung nach dem Verpackungsgesetz und die Lizenzierung deiner Verkaufsverpackungen, denn als Importeur bist du in Deutschland der Erstinverkehrbringer.
Häufige Fragen
- Kann ich meinen Lieferanten die Ware direkt ins Amazon-Lager schicken lassen?
- Nicht unverzollt. Amazon tritt nicht als Importeur auf und nimmt Sendungen nicht an, für die noch Einfuhrabgaben offen sind. Die Ware muss zuerst in der EU auf deinen Namen und deine EORI-Nummer zum freien Verkehr abgefertigt werden. Danach kann ein Dienstleister sie vorbereiten und als FBA-Anlieferung weiterschicken.
- Bekomme ich die Einfuhrumsatzsteuer zurück?
- Wenn du regelbesteuert bist, ja: Die Einfuhrumsatzsteuer ist Vorsteuer und wird über die Umsatzsteuervoranmeldung angerechnet. Voraussetzung ist, dass die Einfuhr für dein Unternehmen erfolgt ist und du den Einfuhrabgabenbescheid als Beleg hast. Als Kleinunternehmer hast du keinen Vorsteuerabzug, die Steuer bleibt dann Kostenbestandteil.
- Was passiert, wenn die Warennummer falsch ist?
- Der Zoll kann die Einreihung korrigieren und Abgaben nachfordern, auch Jahre später bei einer Prüfung. Bei zu niedrig angegebenen Werten oder bewusst falscher Einreihung kommen Bußgelder oder ein Steuerstrafverfahren in Betracht. Bei Unsicherheit hilft eine verbindliche Zolltarifauskunft, die kostenlos beantragt werden kann.
- Ab welchem Bestellwert lohnt sich Seefracht statt Luftfracht?
- Dafür gibt es keine allgemeingültige Grenze, das hängt von Gewicht, Volumen und deiner Zeitplanung ab. Lass dir für dieselbe Sendung beide Angebote geben und rechne sie auf den Stückpreis um. Bedenke dabei die Laufzeit: Seefracht bindet dein Kapital länger, und die Abgaben zahlst du erst bei Ankunft.